Maria Magdalena

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Maria Magdalena basiliek

Sünderin und erste Zeugin

Von Anfang an gibt es viele Diskussionen über Maria Magdalena. Wer war sie? Welche Bedeutung hatte sie? In den Evangelien nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes wird sie kaum erwähnt. Jesus soll sie von Dämonen befreit haben, woraufhin sie eine seiner Nachfolgerinnen wurde. Sie war bei ihm, als er am Kreuz starb, und sie war die erste Zeugin seiner Auferstehung. Deshalb wird sie später 'Apostelin der Apostel' genannt.

Weitere Informationen gibt es nicht, sodass viel Raum für Interpretationen, Legenden und Konflikte über ihre Person und Rolle bleibt. Sie wird mit anderen Frauen aus dem Umfeld Jesu verwechselt und vor allem als reumütige Sünderin dargestellt. So war sie nicht nur Zeugin der Verwandlung Jesu, sondern wurde selbst zu einem hoffnungsvollen Symbol der Verwandlung.

Nach dem Tod Jesu soll Maria Magdalena nach Frankreich gereist sein, wo sie bei dem heutigen Les Saintes-Maries-de-la-Mer an Land ging. Schließlich zog sie sich in eine Höhle im Massif de Sainte-Baume zurück. Später wurde sie in Saint-Maximin-la-Sainte-Baume beigesetzt. Von dort sollen Reliquien nach Vézelay gebracht worden sein …

Auf der Suche nach Maria Magdalena

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts flammt der Streit um die Rolle Maria Magdalenas erneut auf. Gegen diesen Hintergrund schreibt Nicolas Champion seine Missa de Sancta Maria Magdalena. Im nebenstehenden Video singt das flämische Ensemble Graindelavoix das Kyrie aus dieser Messe.

Seit den 1980er Jahren regen feministische Theologinnen neue Diskussionen an: Warum können Frauen nicht Priesterinnen werden, wo doch die "Apostelin der Apostel” eine Frau war?

Zu Beginn dieses Jahrhunderts reist die Wissenschaftlerin Anna Fedele mit spirituellen Pilgern zu einigen klassischen katholischen Heiligtümern, die Maria Magdalena gewidmet sind, darunter Les Saintes-Maries-de-la-Mer, La Sainte-Baume, Saint-Maximin und Vézelay. In ihrem Bericht Looking for Mary Magdalene (2013) erzählt sie, wie diese Pilger ihren Reisen selbst Inhalt und Form (Rituale) geben, inspiriert von animistischen Traditionen, Göttinnenmythologie (Mutter Erde) und Jungscher Psychologie. Fedele zeigt auch, dass diese Pilger damit im Wesentlichen in einer langen Tradition von 'Ketzern' und Reformern stehen, die auf der Suche nach dem Wahren, dem Guten, der ewigen Quelle sind.

Im Jahr 2020 wird in Vézelay die Mary Magdalene's School gegründet: "eine moderne Mysterienschule”, die sich auf spirituelles Wachstum richtet.

 

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Graindelavoix